Die Welt im Überblick - Auszüge aus verschiedenen Regionen






[Südamerika Flora und Fauna]


Flora

Der dichte, in den Gebieten mit feuchtem Tropenklima wachsende Regenwald (Selva) ist das größte zusammenhängende Waldgebiet der Erde. Er bedeckt einen Großteil der Äquatorialzone Südamerikas einschließlich der Küste Brasiliens und der tieferen Lagen der Anden und besteht aus tropischen Harthölzern, Baumfarnen, Bambus und Lianen. Regionale Sonderformen innerhalb des Regenwaldes von Amazonien ergeben sich durch den wechselnden Wasserstand des Amanzonas und seiner Nebenflüsse. In den Wälder außerhalb des Hochwasserbereichs ist die Artenvielfalt am größten; außerdem sind diese Gebiete durch hohen Baumwuchs geprägt. In den Sumpfwäldern der Überschwemmungsgebiete ist das Artenspektrum kleiner, die vorkommenden Bäume auch niedriger. In diesen Gebieten sind Igapó-Wälder verbreitet, die periodisch bis zu einer Dauer von mehreren Monaten überflutet werden. Noch etwa tiefer gelegen sind die Überschwemmungsauen (Várzea). Ihre Entwicklung ist noch stärker als die der Igapó-Wälder von den Schwankungen des Wasserstandes der Flüsse abhängig. Die höheren Standorte der Várzea weisen niedrigen Graswuchs auf, in den ständig überfluteten Bereichen gedeihen Schwimmblattgewächse.
Die Küste Venezuelas, der Nordosten Brasiliens und der Gran Chaco sind von Trockenwäldern und Buschland bedeckt. Eine in diesen Bereichen verbreitete Gehölzformation ist die Caatinga, die regengrüne Bäume und Dornsträucher, in trockenen Regionen auch trockenheitsresistente Sukkulenten umfasst. Zwischen diesen eher trockenen Regionen und dem Regenwald liegen von hohem Gras (Savannen) sowie von Strauchwerk und Gras bewachsene Gebiete. In den feuchteren Campos cerrados gediehen bis zu acht Meter hohe, hartblättrige Bäume, die in den Campos sujos nur noch vereinzelt auftreten und in den trockenen, baumfreien Campos limpos vollständig zurücktreten zugunsten ausgedehnter Grasfluren.
In den südlichen Landesteilen Brasiliens wachsen subtropische Feuchtwälder und tropische Trockenwälder. Der Süden Brasiliens wird von Grasland bedeckt, das von bewaldeten Hügeln durchsetzt ist. Im Gran Chaco herrschen Grasland und Dornsträucher vor. Die flachen Pampas im Kernraum Argentiniens bilden die größte Graslandzone in den gemäßigten Klimazonen Südamerikas. Im Süden schließt sich eine Dornbuschzone an. Das kühle, trockene Patagonien ist von niedrigen Sträuchern und Büschelgräsern bewachsen. An den trockensten Standorten herrschen halbwüstenhafte Bedingungen vor.
Die tropischen Gebiete der Anden sind in Höhen bis zu 3 000 Meter mit Nebelwald bedeckt. Dominierende Pflanzen sind tropische Epiphyten und Baumfarne. Oberhalb der Waldgrenze sind Graslandschaften (Páramo) die wichtigsten Vegetationsformationen. Typische Vertreter der Flora sind Schopfrosettenpflanzen. Mit zunehmender Höhe wird diese Formation von der Puna abgelöst. In diesem Grasland fehlen Schopfrosettenpflanzen; verbreitet treten in der Puna Dornsträucher und Polsterpflanzen auf. Puna ist auch in den nach Süden anschließenden Gebieten der Anden verbreitet. Sie gedeiht in den Hochebenen Perus, Boliviens, des nördlichen Chile und des nördlichen Argentinien in etwas tieferen Lagen als in tropischen Breiten. Die Küstenregionen am Pazifischen Ozean sind infolge des kalten Humboldtstromes trocken; die Westhänge der Anden tragen deshalb Halbwüsten- oder Wüstenvegetation. Die Osthänge erhalten wesentlich mehr Niederschläge und sind häufig bewaldet.

Fauna

Südamerika, Mittelamerika, das mexikanische Tiefland und die Karibik werden zu einer eigenständigen tiergeographischen Region, der Neotropis, zusammengefasst. Charakteristisch für die Tierwelt sind ihre Artenvielfalt bedingt durch das bunte Mosaik an unterschiedlichen Lebensräumen und die große Zahl endemischer Tiergruppen, die keinerlei Verwandtschaft mit Tieren anderer Kontinente einschließlich Nordamerikas nördlich des mexikanischen Hochlands aufweisen. Ein Hauptgrund ist die relative Isolierung Südamerikas von anderen Kontinenten.
Nur in dieser Region vorkommende Säugetiere sind zwei Affenarten, die sich stark von jenen der Alten Welt unterscheiden, Blut saugende Fledermäuse und viele seltene Nagetiere. Für diesen Kontinent sind auch Vikunjas, Guanakos, Alpakas, Jaguare, Nabelschweine (Pekaris), große Ameisenbären und Nasenbären typisch. Überaus artenreich präsentiert sich die Vogelwelt. Aufgrund des großen Spektrums unterschiedlicher Arten wurde Südamerika schon als "Vogelkontinent" bezeichnet. Es gibt mehr als 20 Familien und etwa 600 Arten rein neotropischer Vögel. Andere Familien sind hauptsächlich in Südamerika anzutreffen, darunter Kolibris (500 Arten), Tangaras (Prachtmeisen) und Langschwanzpapageien (Aras) sowie eine Reihe von Seevögeln. Zu den größten Vögeln gehören Nandu, Kondor und Flamingo. Unter den Kriechtieren (Reptilien) findet man Boas, Anakondas, Leguane, Kaimane und Krokodile. Süßwasserfische sind in einer großen Artenvielfalt vertreten. Auch viele Insekten und andere wirbellose Tiere haben nur hier ihren Lebensraum. Mit Exemplaren von mehr als 10 000 verschiedenen Arten ist die Schmetterlingsfauna die bunteste auf der Erde.
Aufgrund der noch geringen Erschließung weiter Teile des tropischen Regenwaldes und der Hochlagen der Anden können über die genaue Anzahl der in Südamerika lebenden Tierarten nur Mutmaßungen angestellt werden. Wahrscheinlich leben mehr als vier Fünftel aller Arten innerhalb der tiergeographischen Grenzen des Kontinents. Die Galápagos-Inseln sind als Lebensraum großer Landschildkröten und anderer einzigartiger Kriechtiere sowie einer spezifischen Vogelwelt bekannt geworden.


 Ein Kurzportrait von Timo Trinks